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schreib.on – Rechtschreibtest online

Autor:  Dr. Peter May    •    Mitarbeit: Centa Kast-May


Testkonzept

Der Onlinetest
schreib.on ist eine digitale Variante des diagnostischen Konzepts der Hamburger Schreibprobe (HSP 1 - 10). Eine Kurzbeschreibung von schreib.on findet sich in einem Sonderdruck der Zeitschrift WORTSPIEGEL aus dem Jahr 2010.

Ebenso wie in der HSP 1 – 10 werden bei schreib.on Einzelwörter und Sätze mit Bildunterstützung in vorgegebene Schreiblücken geschrieben, ab Klassenstufe 8 werden auch fehlerbehaftete Texte zum Korrigieren vorgelegt.
Schreib.on ist ebenso wie die HSP 1-10 ein Test mit fest vorgegebenen Wortlisten, d.h. alle Testpersonen einer Klassenstsufe schreiben dieselben Wörter und Sätze. Anders als bei einem adaptiven Test kann dies bei Testpersonen mit schwächerem bzw. stärkerem Leistungsvermögen zu Über- oder Unterforderungen führen. Zudem dauert die Testdurchführung relativ lang (ca. 20–35 Minuten). Wer dies bei einem Online-Test vermeiden möchte, sollte besser den adaptiven Onlinetest HSP smart verwenden.

Die automatische Auswertung ist identisch mit der klassischen HSP 1-10. Sie umfasst die Gesamtleistung (Wörter, Graphemtreffer) sowie die verschiedenen Rechtschreibstrategien (alphabetisch, orthografisch, morphematisch, wortübergreifend), die in einem Strategieprofil dargestellt werden. Zudem werden überflüssige orthografische Elemente und Tippfehler ausgewertet.

Die Leistungen der Testpersonen können mit den bundesweiten Leistungen der einzelnen Klassenstufen und verschiedenen Schulformen (entweder alle Schulformen zusammen oder getrennt nach Gymnasium und übrige Schulformen) verglichen werden.

Vergleichswerte

Schreib.on wird überwiegend bei rechtschreibschwächeren Testpersonen in den LOS-Instituten durchgeführt und ist in öffentlichen Schulen kaum vertreten. Daher konnte eine Normierung nur im "Huckepack-Verfahren" mithilfe der repräsentativen Daten der HSP 1–10 vorgenommen werden
. Die letzte Normierung von schreib.on beruht auf HSP-Daten aus den Jahren 2012 bis 2014 und wurde seitdem nicht aktualisiert.

Da sich zwischenzeitlich die durchschnittlichen Rechtschreibleistungen in Deutschland signifikant verändert haben (vgl. "Veränderungen der Rechtschreibkompetenz in deutschenSchulen"), können die mittlerweile ver
alteten Normen von schreib.on zunehmend zu falschen Vergleichsergebnissen und Fehldiagnosen führen.
Zudem wird die automatische Auswertung der Schreibungen seit 2023 autorenseitig nicht mehr gewartet, sodass sich fehlerhaft bewertete Ergebnisse anhäufen können.

Fazit
Obwohl es sich ursprünglich um einen innovativen Online-Rechtschreibteest handelt, ist schreib.on wegen der veralteten Normierung und der fehlenden Wartung aus wissenschaftlicher Sicht nicht mehr als diagnostischer Test geeignet und wird nicht mehr zur LRS-Diagnose und Förderplanung empfohlen.
Schreib.on kann ohne Bedenken nur noch für informelle Leistungserfassungen (z.B. im Rahmen von Evaluationsvorhaben) eingesetzt werden, sofern keine Referenz auf soziale Vergleichsnormen erfolgt und keine Kompetenzstufen ausgewiesen werden.


Veröffentlichungen zu schreib.on:

May, P. (2008): Diagnose der orthografischen Kompetenz - von der HSP zu schreib.on. In: Schneider, W., Marx, H. & Hasselhorn, M. (Hg.): Diagnostik von Rechtschreibleistungen und -kompetenz. Tests und Trends N.F.  Band 6. Göttingen: Hogrefe 2008.

May, P. (2009a): Auswertung nach dem Strategiekonzept. In: Valtin/Hofmann: Kompetenzmodelle der Orthographie. Empirische Befunde und förderdiagnostische Möglichkeiten. DGLS-Beiträge 10/2009



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