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Hamburger
Schreibprobe
(HSP 1 - 10)

von Peter May,
unter Mitarbeit von
Ulrich Vieluf und Volkmar Malitzky

Die HSP dient der Erfassung des orthographischen Strukturwissens und der grundlegenden Rechtschreibstrategien. Die HSP ist zur LRS-Diagnose geeignet.

Es liegen verschiedene Versionen für die Zeit von Mitte Klasse 1 bis Ende Klasse 10 mit bundesweiten Vergleichswerten vor (Normierung 2012).

Die Rechtschreibleistung wird durch folgende Werte bestimmt:

1. Anzahl richtig geschriebener Wörter und Graphemtreffer (richtig geschriebener Grapheme) dienen der Einschätzung des erreichten Niveaus des Rechtschreibkönnens.

2. Werte für die grundlegenden Rechtschreibstrategien, mit denen die Zugriffsweisen von Kindern auf die Schrift beschrieben werden.

Alphabetischen Strategie, d.h. die Fähigkeit, den Lautstrom der Wörter aufzuschließen und mit Hilfe von Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen schriftlich festzuhalten. Diese fundamentale Zugriffsweise basiert also auf der Analyse des eigenen Sprechens ("Verschriftlichen der eigenen Artikulation").

Orthographische Strategie, d.h. die Fähigkeit, die einfache LautñBuchstabenñZuordnung unter Beachtung bestimmter orthographischer Prinzipien und Regeln zu modifizieren. Zu diesen orthographische Elementen gehören sowohl "Merkelemente", die sich der Lerner merken muss (z.B. Zahn, Vater, Hexe) als auch "Regelelemente", deren Verwendung hergeleitet werden kann (z.B. Koffer, stehen, Hand).

Morphematische Strategie, d.h. die Fähigkeit, bei der Herleitung der Schreibungen die morphematische Struktur der Wörter zu beachten. Sie erfordert sowohl die Erschließung des jeweiligen Wortstammes wie bei Staubsauger und Räuber (morphosemantisches Bedeutungswissen) wie auch die Zerlegung komplexer Wörter in Wortteile wie bei Fahrrad und Geburtstag (morphologisches Strukturwissen).

Wortübergreifende Strategie (HSP 4/5 und HSP 5-9), d.h. die Fähigkeit, beim Schreiben von Sätzen und Texten weitere sprachliche Aspekte zu beachten bzw. größere sprachliche Einheiten einzubeziehen: u.a. die Wortart für die Herleitung der Groß- bzw. Kleinschreibung, die Wortsemantik für die Zusammen- bzw. Getrenntschreibung, die Satzgrammatik z.B. für die Kommasetzung oder die "dass"-Schreibung und die Verwendungsart eines Satzes z.B. in der wörtlichen Rede.

3. Überflüssige orthographische Elemente deuten darauf hin, dass die Schüler/innen bei der Erprobung der orthographischen oder morphematischen Strategie noch unsicher sind, sodass zum Beispiel orthographische Elemente "übergeneralisiert" geschrieben werden.

4. Oberzeichenfehler weisen auf den Grad der Sorgfalt und auf die Kontrolle beim Schreiben hin.

Für die qualitative Auswertung wird ein Strategieprofil ermittelt. Zur raschen Ermittlung grober Vergleichsergebnisse (z.B. bei Großgruppenvergleichen) kann auch die Zahl der richtig geschriebenen Wörter gezählt werden.

Mit der HSP1 bis HSP10 werden grundlegende Kompetenzen für die Rechtschreibung erfasst, die für die verschiedenen Klassenstufen angemessen sind. Für die Sekundarstufe steht neben der HSP 5 bis HSP10 darüber hinaus die HSP 5-10 EK (Erweiterte Kompetenz) für die Erfassung fortgeschrittener Rechtschreibsicherheit zur Verfügung. Die Versionen können auch kombiniert werden.

Die folgende Übersicht enthält die einzelnen Versionen der HSP für die verschiedenen Erhebungszeitpunkte und die vorliegenden Vergleichswerte.

Erhebungszeitpunkt

HSP-Version

Vergleichswerte für ...

Mitte Klasse 1 HSP 1-M1



• alle Schüler

in
• Deutschland
• Großstadtgebieten
Ende Klasse 1 HSP 1-E1
Mitte Klasse 2 HSP 1-M2
Ende Klasse 2 HSP 2
Mitte Klasse 3 HSP 3
Ende Klasse 3 HSP 3
Mitte Klasse 4 HSP 4/5
Ende Klasse 4 HSP 4/5
Anfang Klasse 5 HSP 4/5




• alle Schüler
• Haupt-, Real- und Gesamtschulen
• Gymnasien


in
• Deutschland
• Großstadtgebieten

Ende Klasse 5 HSP 5/6
und
HSP 5-10 (EK)
Ende Klasse 6 HSP 5/6
und
HSP 5-10 (EK)
Ende Klasse 7 HSP 7/8
und
HSP 5-10 (EK)
Ende Klasse 8 HSP 7/8
und
HSP 5-10 (EK)
Ende Klasse 9 HSP 9/10
und
HSP 5-10 (EK)
Ende Klasse 10
HSP 9/10
und
HSP 5-10 (EK)

Die HSP wird als Papier-Bleistift-Test durchgeführt. Die Ergebnisse können manuell oder online ausgewertet werden.


Die HSP umfasst folgende Materialien, die jeweils auch einzeln erhältlich sind:

  • Das Handbuch der HSP ("Diagnose orthographischer Kompetenz") dient der Einführung und Erläuterung des Gesamtkonzepts. Es umfasst ausführliche theoretische und praktische Hinweise zur Durchführung und Interpretation der HSP, Angaben zur Testkonstruktion, Fallbeispiele und Förderhinweise.
  • Gesonderte Anleitungshefte für die einzelnen Versionen der HSP (HSP 1+, HSP 2, HSP 3, HSP 4/5, HSP 5/6, HSP 7/8, HSP 9/10 und HSP 5-10 EK), die die erforderlichen Hinweise zur Durchführung und Auswertung sowie die Vergleichstabellen enthalten.
  • Testhefte für die Schüler mit Auswertungsschemata
  • Internet-Server zur Online-Auswertung beim Verlag
 

Die Hamburger Schreibprobe kann beim
  Verlag für pädagogische Medien (vpm)
im Ernst Klett Verlag GmbH
Zweigniederlassung Dortmund
Freistuhl 3, 44137 Dortmund,
Tel. 07 11 / 66 72 13 33
Fax: 07 11 / 98 80 90 00 99
  bestellt werden.

Weitere Informationen zum HSP-Konzept bieten folgende Veröffentlichungen, von denen die unterstrichenen Beiträge heruntergeladen werden können:

May, P. (1996a): Die Hamburger Schreibprobe. Grundlegende Rechtschreibstrategien erfassen. In: Grundschule, 28 Jg., Heft 4, S. 17 - 20.

May, P. (1999a): Strategiebezogene Rechtschreibdiagnose - mit und ohne Test: Analyse von freien Schreibungen mit Hilfe der HSP-Kategorien. In: Balhorn, H., Bartnitzky, H., Büchner, I. & Speck-Hamdan, A. (Hg.): Schatzkiste Sprache I: Lesen und Schreiben von Anfang an. AKG-Band 103. Frankfurt a.M.: Arbeitskreis Grundschule. [264 KB]

May, P. & Malitzky, V. (1999): Erfassung der Rechtschreibkompetenz in der Sekundarstufe mit der Hamburger Schreibprobe (HSP 4/5 und HSP 5-9). In: Lade, E. & Kowalczyk, W. (Hg.): Konkrete Handlungsanleitungen für erfolgreiche Beratungsarbeit mit Schülern, Eltern und Lehrern. Kissing: WEKA Fachverlag. [524 KB]

May, P., Malitzky, V. & Vieluf, U. (2001): Rechtschreibtests im Vergleich: Wie stellt man deren Güte fest und wie besser nicht? Anmerkungen zur Kritik von Tacke, Völker und Lohmüller an der HSP. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 48. Jg., Nr 2/2001, S. 146-152. [48 KB]

May, P. (2002): Lernstandsdiagnosen mit und ohne Test. Grundschule, 34. Jg., Heft 05/2002, S. 44-46. [20 KB]

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Letzte Bearbeitung: 27.02.18